Die Schildhöfe im Passeiertal
“Schildbauer, in Tyrol, eine Art freier Bauern, welche nicht Leibeigne sind, sondern mit zum Adel steuern, daher sie wahrscheinlich auch den Namen haben. Ihre Höfe werden Schildhöfe genannt.”
Als Bauer nach heutigen Maßstäben darf man sich die Schildbauern des Mittelalters nicht vorstellen, wie es sich nach dem Eintrag in der “Oekonomische Encyklopädie” aus der Zeit der industriellen Revolution vielleicht aufdrängt. Passender ist das Bild vom Großgrundbesitzer mit einigen Privilegien des Adels, beispielsweise das Recht Waffen zu tragen oder für den Eigenbedarf zu jagen.
Im Passeiertal werden im 14. Jahrhundert zwölf solcher Schildhöfe genannt, wobei acht davon im Gemeindegebiet von St. Martin liegen: Kalm (Chalwe, jetzt Langthaler), Pseirer (Thurm), Ober- und Untergereuth (heute Baumkirch), Steinhaus, Saltaus, Haupold, Weingarten (Granstein). Happberg, Gomion, Ebion (Urdian) und Buchenegg gehören zu St. Leonhard.
Wie so ein Schildhof im Mittelalter ausgesehen hat, kann nur noch schwer nachvollzogen werden. Keiner ist im Ursprungszustand erhalten. Gemauert und mehrstöckig, vielleicht rein äusserlich den Eindruck von Wehrhaftigkeit vermittelnd, so dürfte sich ein Schildhof dargestellt haben. Dabei muss der Übergang zu einer Burg des ländlichen Kleinadels fließend gewesen sein, wird doch selbst die Jaufenburg in alten Quellen manchmal als Schildhof bezeichnet.
Im Dunkel der Geschichte liegt auch, wer die ersten Besitzer der Schildhöfe waren oder wie die Schildbauern zu ihrem Recht kamen. Jedenfalls waren sie direkt an den Landesherrn gebunden und mussten im Kriegsfall zu Pferde mit Schild und Speer bereit stehen. 1407 wurden sie zum letzten Mal zu den Waffen gerufen, als sie unter Friedrich IV mit der leeren Tasche Trient erobern halfen.
Seit September 2009 gibt es auf dem Gemeindegebiet von St. Martin den Passeirer Schildhöfeweg. Dieser führt an Saltaus, Haupold und Granstein vorbei. Wer sich weiter zum Thema Schildhof informieren möchte: Das Museum Jaufenburg widmet sich ein Teil der Ausstellung diesem auf die Grafschaft Tirol beschränkten Phänomen aus dem Mittelalter.
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